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Dokument Benutzer- und Berechtigungskonzepte unter Linux  Autoren
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6 Die zentralen Benutzerdateien

Um das Kapitel abzurunden und Ihnen einen Einblick in die Registratur von Benutzern unter Linux zu geben, werden im Folgenden die zentralen Benutzerdateien beschrieben, welche notwendige Information über Benutzernamen, Passwörter, Gruppenzugehörigkeiten und andere Benutzerattribute enthalten. Den Abschluss bildet der Verweis auf ein System zur zentralen Benutzerverwaltung in Netzwerken, das NIS (Network Information System).

Die Dateien zur Benutzerverwaltung finden Sie unter Linux im Verzeichnis /etc. Es handelt sich dabei um die Dateien /etc/passwd, /etc/shadow und /etc/group.

An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass die meisten Linux-Distributionen komfortable Werkzeuge zur Benutzerverwaltung mitliefern und es auch eine Reihe von Befehlen gibt, die für die Benutzerverwaltung verwendet werden können. Diese werden jedoch nicht hier, sondern in dem Kapitel  Benutzerverwaltung erläutert. Im Folgenden soll Ihnen lediglich grundlegendes Wissen über den Aufbau, Inhalt und die Funktionen der Dateien erläutert werden, die für die Benutzerverwaltung unter Linux von Bedeutung sind.


6.1 Die Datei /etc/passwd

Die Datei /etc/passwd ist die zentrale Benutzerdatenbank.

Mit cat /etc/passwd können Sie einen Blick in diese zentrale Benutzerdatei werfen. Hier werden alle Benutzer des Systems aufgelistet. Zu beachten ist, dass alle Benutzertypen eingetragen sind, also sowohl der Superuser root als auch die Standard- und Systembenutzer.

Ein Benutzerkonto in der Datei /etc/passwd hat generell folgende Syntax:

Benutzername : Passwort : UID : GID : Info : Heimatverzeichnis : Shell
Benutzername Dies ist der Benutzername in druckbare Zeichen, meistens in Kleinbuchstaben.
Passwort Hier steht verschlüsselt das Passwort des Benutzers (bei alten Systemen). Meist finden Sie dort ein x. Dies bedeutet, dass das Passwort verschlüsselt in der Datei /etc/shadow steht. Es ist auch möglich, den Eintrag leer zu lassen. Dann erfolgt die Anmeldung ohne Passwortabfrage (in der Datei /etc/shadow muss dann an Stelle des verschlüsselten Passwortes ein * stehen).
UID Die Benutzer-ID des Benutzers. Die Zahl hier sollte größer als 100 sein, weil die Zahlen unter 100 für Systembenutzer vorgesehen sind. Weiterhin muss die Zahl aus technischen Gründen kleiner als 64000 sein.
GID Die Gruppen-ID des Benutzers. Auch hier muss die Zahl wie bei der UID kleiner als 64000 sein.
Info Hier kann weitere Information vermerkt werden, wie z.B. der vollständige Name des Benutzers und persönliche Angaben (Telefonnummer, Abteilung, Gruppenzugehörigkeit u.ä.).
Heimatverzeichnis Das Heimatverzeichnis des Benutzers bzw. das Startverzeichnis nach dem Login.
Shell Die Shell, die nach der Anmeldung gestartet werden soll. Bleibt dieses Feld frei, dann wird die Standardshell /bin/sh gestartet.
Tabelle 2: Die Felder der Datei /etc/passwd

Hier ein Beispiel für einen Systembenutzer:

uucp:x:10:14:Unix-to-Unix CoPy system:/etc/uucp:/bin/bash

Der Benutzer heißt uucp, das Passwort ist in der Datei /etc/shadow gespeichert (x), die UID ist 10, die GID 14, als erläuternde Bezeichnung trägt der Benutzer den Namen "Unix-to-Unix CoPy system", das Startverzeichnis nach der Anmeldung ist /etc/uucp, und die vorgeschlagene Shell ist die bash.


6.2 Die Datei /etc/shadow

Bei früheren Versionen von Linux speicherte man die die Passwörter direkt in die passwd-Datei. Allerdings war dies durch einen sogenannten Wörterbuchangriff und der beispielsweise mit Hilfe des Programmes crypt möglich, diese Passwörter in vielen Fällen zu entschlüsseln und auszulesen.
Deshalb hat man die Datei /etc/shadow eingeführt, in der die Angaben über die Passwörter durch ein spezielles System besser geschützt werden.

Der Eintrag in diese Datei erfolgt nach einem ähnlichen Schema, wie in der Datei /etc/passwd:

Benutzername : Passwort : DOC : MinD : MaxD : Warn : Exp : Dis : Res
Benutzername Dies ist der Benutzername in druckbaren Zeichen, meistens in Kleinbuchstaben.
Passwort Hier steht verschlüsselt das Passwort des Benutzers. Wenn hier ein * oder ! steht, dann bedeutet dies, dass kein Passwort vorhanden bzw. eingetragen ist.
DOC Day of last change: der Tag, an dem das Passwort zuletzt geändert wurde. Besonderheit hier: Der Tag wird als Integer-Zahl in Tagen seit dem 1.1.1970 angegeben.
MinD Minimale Anzahl der Tage, die das Passwort gültig ist.
MaxD Maximale Anzahl der Tage, die das Passwort gültig ist.
Warn Die Anzahl der Tage vor Ablauf der Lebensdauer, ab der vor dem Verfall des Passwortes zu warnen ist.
Exp Hier wird festgelegt, wieviele Tage das Passwort trotz Ablauf der MaxD noch gültig ist.
Dis Bis zu diesem Tag (auch hier wird ab dem 1.1.1970 gezählt) ist das Benutzerkonto gesperrt
Res Reserve, dieses Feld hat momentan keine Bedeutung.
Tabelle 3: Die Felder der Datei /etc/shadow

Es folgt wieder ein Beispiel:

selflinux:/heSIGnYDr6MI:11995:1:99999:14:::

Der Benutzer heißt selflinux, das Passwort lautet verschlüsselt "/heSIGnYDr6MI". Es wurde zuletzt geändert, als 11995 Tage seit dem 1.1.1970 vergangen waren. Das Passwort ist minimal einen Tag gültig, maximal 99999 Tage (was man als immer deuten kann - 99999 Tage sind ca. 274 Jahre). Es soll ab 14 Tage vor Ablauf des Passwortes gewarnt werden. Die anderen Werte sind vom Administrator nicht definiert und bleiben daher leer.


6.3 Die Datei /etc/group

In dieser Datei finden Sie die Benutzergruppen und ihre Mitglieder. In der Datei /etc/passwd wird mit der GID eigentlich schon eine Standardgruppe für den Benutzer festgelegt. In der /etc/group können Sie weitere Gruppenzugehörigkeiten definieren. Das hat in der Praxis vor allem in Netzwerken eine große Bedeutung, weil Sie so in der Lage sind, z.B. Gruppen für Projekte oder Verwaltungseinheiten zu bilden. Für diese Gruppen kann man dann entsprechend die Zugriffsrechte einstellen. Dies hat dann wiederum den Vorteil, dass man die Daten gegen eine unbefugte Benutzung absichern kann.

Der Eintrag einer Gruppe in die Datei sieht so aus:

Gruppenname : Passwort : GID : Benutzernamen (Mitgliederliste)
Gruppenname Der Name der Gruppe in druckbare Zeichen, auch hier meistens Kleinbuchstaben.
Passwort Die Besonderheit hier ist folgende: Wenn das Passwort eingerichtet ist, können auch Nichtmitglieder der Gruppe Zugang zu den Daten der Gruppe erhalten, wenn ihnen das Passwort bekannt ist. Ein x sagt hier aus, das das Passwort in /etc/gshadow abgelegt ist. Der Eintrag kann auch entfallen, dann ist die Gruppe nicht durch ein Passwort geschützt. In diesem Fall kann jedoch auch kein Benutzer in die Gruppe wechseln, der nicht in diese Gruppe eingetragen ist.
GID Gruppen-ID der Gruppe
Benutzernamen hier werden die Mitglieder der Gruppe eingetragen. Diese sind durch ein einfaches Komma getrennt.
Tabelle 4: Die Felder der Datei /etc/group

Für einen korrekten Eintrag in die /etc/group reicht eigentlich der Gruppenname und die GID aus. Damit ist die Gruppe dem System bekannt gemacht. Die Felder für das Passwort und die Benutzernamen können frei bleiben.

Wenn allerdings ein Benutzer in mehr als einer Gruppe (außer in seiner Standardgruppe, welche in der /etc/passwd fesgelegt wurde) Mitglied sein soll, so muss er in die entsprechenden Gruppen eingetragen werden. Wollen Sie, dass mehrere Mitglieder in einer Gruppe zusammenarbeiten und diese Gruppe ist nicht die Standardgruppe dieser Mitglieder, dann müssen Sie ebenfalls jedes dieser Mitglieder in die gewünschte Gruppe eintragen.
Nochmal zur besseren Veranschaulichung mit anderen Worten. Soll der Benutzer nur in seiner Standardgruppe bleiben, ist kein Eintrag in die /etc/group notwendig. Hier reicht der Eintrag in die /etc/passwd völlig aus, weil dort die Standardgruppe schon mit angegeben wird. Nur wenn der Benutzer in weiteren bzw. mehreren Gruppen Mitglied sein soll, muss dies in die /etc/group-Datei eingetragen werden.
Für Passwörter gilt das oben in der Tabelle Gesagte.

Hier sehen Sie ein Beispiel für einen Eintrag:

dialout:x:16:root,tatiana,steuer,selflinux

Sie sehen eine Gruppe mit der GID "16" und den Namen dialout. (Zur Information: dialout erlaubt es normalen Benutzern einen ppp-Verbindungsaufbau zu starten, normalerweise hat nur root dieses Recht). Das x bedeutet hier, dass das Passwort in /etc/shadow abgelegt ist. Da in /etc/gshadow hier bei Passwort ein * steht, ist also kein Passwort für die Gruppe vorhanden (Das bedeutet wiederum, das nur die eingetragenen Mitglieder Zugang zu dieser Gruppe haben). Mitglieder der Gruppe sind: root, tatiana, steuer, selflinux.


6.4 Das Verzeichnis /etc/skel

Dieses Verzeichnis hat mit der Benutzerverwaltung im engeren Sinn nichts zu tun. Es soll hier aber trotzdem erwähnt werden, denn in diesem Verzeichnis haben Sie die Möglichkeit, die "Erstausstattung" an Konfigurationsdateien, die ein neuer Benutzer erhalten soll, festzulegen. Jedes Mal, wenn Sie einen neuen Benutzer einrichten, können Sie durch einfaches Kopieren des Verzeichnisses /etc/skel dem neuen Nutzer eine vorgefertigte, einheitliche Umgebung bereit stellen.

In der Praxis wird von dem /etc/skel-Verzeichnis sehr oft Gebrauch gemacht, denn sie müssen dieses Verzeichnis nur einmal anlegen und können dann eine große Anzahl von Benutzern auf einfache Weise einrichten. Bei den meisten Linux-Distributionen wird dieses Verzeichnis schon standardmäßig angelegt und kann dann nach den eigenen Wünschen verändert werden.


6.5 Network Information Service (NIS)

Wenn mehrere Linux- und Unix-Systeme in einem Netzwerk auf gemeinsame Ressourcen zurückgreifen wollen, dann muss sichergestellt sein, dass die Benutzer- und Gruppenkennungen aller Rechner in diesem Netzwerk miteinander harmonieren und es zu keinen Konflikten kommt. Das ist die Aufgabe des Network Information Service (NIS).

Sie können NIS als Datenbanksystem verstehen, das Zugriff auf die Dateien /etc/passwd, /etc/shadow und /etc/group in dem gesamten angeschlossenen Netzwerk ermöglicht.



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