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Dokument Unterschiede / Gemeinsamkeiten zwischen Windows und Linux  Autor
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1 Vorwort

In diesem Dokument sollen die wesentlichen Unterschiede zwischen Windows und Linux gezeigt werden. Denn gerade die Personen, die in die Unix-Welt umsteigen wollen, stellen meist die Frage: Was kann Linux, das Windows nicht kann? Oder: Kann mir Linux den Komfort bieten, den mir Windows bietet? Auf all diese und weitere Fragen werden wir eingehen und dabei versuchen, auch für Laien verständlich zu sein. Wenn Sie dennoch weitere Fragen haben, zögern Sie nicht, eine E-Mail an den Autor oder an das SelfLinux-Team zu senden.

Viele der hier aufgeführten Unterschiede gelten übrigens für Unix im allgemeinen und nicht nur für Linux. Wir werden daher in diesen Fällen meist auch von Unix sprechen. Linux als Teil der Unix-Familie ist dann immer mitgemeint. Wenn wir von Eigenschaften sprechen, in denen sich Linux womöglich von anderen Unix-Varianten unterscheidet, werden wir auch jeweils Linux als Bezeichnung verwenden.


2 Einzel- und Mehrbenutzersysteme

Unix wurde von Anbeginn als ein Mehrbenutzersystem konzipiert. Daher benötigen Sie, bevor Sie mit dem System arbeiten können, einen  Benutzernamen, ein zugehöriges Passwort und im allgemeinen auch ein sogenanntes Heimatverzeichnis für Ihre persönlichen Daten. Benutzername und Passwort werden auch als Benutzerkonto bezeichnet. Anders als bei einigen Windows-Varianten kann ein gewöhnlicher Benutzer kein neues Benutzerkonto eröffnen. Diese Aktion ist unter Unix nur dem Administrator (root) erlaubt.

Unter Unix ist es möglich, dass mehrere Benutzer gleichzeitig auf ein und demselben Rechner arbeiten. Zu früheren Zeiten wurde dies bei Unix-Systemen tatsächlich ausgenutzt, indem man mehrere Terminals, d.h. Monitore und Tastaturen, an einen Rechner anschloss, die von unterschiedlichen Benutzern verwendet werden konnten. Heute wird diese Funktionalität meist über Netzwerkverbindungen genutzt. Unterschiedliche Benutzer können sich z.B. auf einem besonders leistungsfähigen Rechner von ihrem lokalen und weniger leistungsfähigen Rechner aus über ein Netzwerk anmelden, um bestimmte rechenintensive Programme oder Dienste zu benutzen. Unix verwaltet diese unterschiedlichen Prozesse so, dass die Benutzer völlig unabhängig voneinander arbeiten können.

Windows ist primär ein Einzelplatzsystem. Frühere, auf MS-DOS basierende Windows-Versionen wie Windows 95 / 98 / ME bieten überhaupt keine Mehrbenutzerfähigkeit im oben beschriebenen Sinne. Spätere, auf NT-Technologie basierende Versionen bieten zwar echte Mehrbenutzerfähigkeit auf Prozessebene, aber kaum sinnvolle Mechanismen, um auf einer entfernten Maschine komfortabel arbeiten zu können. Diese Lücke wird von den Windows Terminal Server-Varianten geschlossen, für die jedoch zusätzlich die Verwendung spezieller Clients notwendig ist. Insgesamt bietet Windows also ebenfalls Mehrbenutzerfähigkeit mit der Möglichkeit der Nutzung entfernter Rechner, doch sind entweder die Möglichkeiten recht eingeschränkt oder aber die Installation spezieller Windows-Versionen auf Server- und Clientseite erforderlich. Über Gegenwart und Zukunft der .NET Technologie wollen wir an dieser Stelle keine Aussage treffen - zu ungewiss ist der Ausgang dieses gerade angebrochenen Kapitels.


3 Das Dateisystem

Windows und Unix verwenden unterschiedliche Dateisystemtypen. Windows 95 bis ME arbeiten ausschließlich mit den Dateisystemen de FAT16 und de FAT32. Windows NT / 2000 / XP verwenden primär das Dateisystem de NTFS. Sicherlich haben Sie diese Begriffe schon einmal gehört, sei es beim Partitionieren der Festplatte oder bei sonstigen Arbeiten. Unter Linux ist das Dateisystem de EXT2 am weitesten verbreitet, aber es gibt weit mehr als ein Dutzend Alternativen. Am interessantesten sind hierbei protokollierende Dateisysteme (engl.: journaling filesystems), die eine größere Fehlertoleranz bieten und nach Systemabstürzen keinen umfangreichen Prüfdurchlauf durchführen müssen, was gerade bei größeren Festplatten eine große Zeitersparnis beim Wiederhochfahren des Systems bedeuten kann. Als protokollierende Dateisysteme werden unter Linux vor allem de EXT3, de ReiserFS, de XFS und de JFS verwendet. NTFS ist ebenfalls ein protokollierendes Dateisystem, das zumindest für einen lesenden Zugriff auch unter Linux unterstützt wird. Generell gilt, dass Sie mit Linux alle unter Windows verwendeten Dateisysteme zumindest lesen können. Umgekehrt können Sie jedoch mit Windows-Bordmitteln nicht auf die Linux spezifischen Dateisysteme zugreifen. Es existieren aber Zusatzprogramme für Windows, die einen eingeschränkten Zugriff auf EXT2- und EXT3-Partitionen ermöglichen. Als ein Vertreter dieser Ergänzungsprogramme wird hier auf en Ext2IFS verwiesen.

Durch das Dateisystem wird unter anderem bestimmt, wie groß eine Partition sein darf. Aktuelle NTFS-Versionen sind ebenso wie die meisten unter Linux verwendeten Dateisysteme in der Lage, Partitionen bis zur einer Größe von mehreren Terabyte zu verwalten. Die  Linux-Kernel der Reihe 2.4.x (oder kleiner) limitierten diese Größe jedoch auf ca. ein Terabyte. Mit der Veröffentlichung von Kernel 2.6 wurde durch die Einführung sogenannter Large Block Devices (welche die Verwendung größerer Blöcke auf den Festplatten erlauben) diese Limitierung aufgehoben. Wer extrem hohe Datenmengen innerhalb einer Partition verwalten möchte, sollte sich informieren, ob dies vom jeweiligen Kernel und Dateisystem unterstützt wird. Für normale Benutzer sind Datenmengen im Terabyte-Bereich freilich weit jenseits des Üblichen.

Linux ist aufgrund der verwendeten Dateisysteme schon sehr viel länger in der Lage, lange Dateinamen zu verarbeiten. Dabei braucht man auch keine Rücksicht auf die Kombination 8+3 nehmen. Diese wurde vorrangig von MS-DOS eingesetzt.

Unix unterscheidet zwischen Groß- und Kleinschreibung. In einem Verzeichnis könnten z.B. die Dateien Text.txt und text.txt liegen. Es handelt sich dann um unterschiedliche Dateien, die natürlich auch potentiell einen unterschiedlichen Inhalt haben.

Unter Unix steht es Ihnen frei, wie Sie Ihre einzelnen Dateien benennen. Unter Windows müssen Sie häufig auf die Dateiendung achten. So sollte z.B. bei einem Textdokument die Endung .txt sein. Unter Unix können Sie wählen: .txt, .dokument, .privat oder auch ein Dateiname ohne Endung sind möglich. Der Punkt in dem Dateinamen stellt nicht eine Trennung sondern ein ganz neutrales Zeichen in der Benennung dar. Das System erkennt anhand der dateiinternen Kennzeichnungen um welchen Dateityp es sich handelt. Ergänzend sollte man allerdings festhalten, dass beispielsweise Desktop-Systeme wie de KDE oder Web-Browser die Möglichkeit bieten, Dateien mit einer bestimmten Endung Applikationen zuzuordnen. Diese Zuordnungen sind vom Benutzer konfigurierbar.


4 Die Zugriffsrechte

Unter Windows 95 / 98 / ME haben Sie das Problem, dass Sie jede Datei auf dem System ansehen, verändern, speichern oder gar löschen können. Egal ob es sich nun um eine Systemdatei oder um einem geheimen Liebesbrief handelt. Ebenso können Sie jede beliebige Software installieren und selbstverständlich auch wieder entfernen. Ihnen steht es auch frei, einfach aus Spaß die gesamte Festplatte zu formatieren. Das muss leider nicht immer aus bösem Willen geschehen, sondern kann auch einem erfahrenen Benutzer aus Unachtsamkeit passieren. Auch die so genannten Anmelde-Profile helfen in diesem Fall leider nicht weiter. Sie speichern lediglich die persönlichen Einstellungen und den eingerichteten Desktop. Es ist trotzdem möglich, dass einzelne Benutzer auf die Daten ihrer Mitbenutzer zugreifen.

Unter Unix müssen Sie stets mit einem Benutzernamen angemeldet sein. Somit weiß das System immer, wer Sie sind. Entsprechend wurden Ihnen vom Systemadministrator gewisse Rechte oder Verbote erteilt. Sie können auf dem System genau so viel arbeiten, einsehen oder löschen, wie es Ihnen vom Administrator erlaubt wurde. Die eigentlichen Systemdateien darf ein normalen Benutzer beispielsweise nicht ändern. So können Sie nicht aus Versehen das System beschädigen, Konfigurationsdateien löschen oder gar die Festplatte formatieren - und aus Absicht ebenso wenig. Sie können auch nicht (außer es wurde Ihnen erlaubt) auf die Dateien von anderen Benutzern zugreifen oder diese einsehen (ob lokal oder über das Netz). Grundsätzlich gilt folgende Regel: Es ist alles verboten, das nicht ausdrücklich erlaubt ist. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie einmal die Meldung Permission denied lesen.

Zusätzlich können unter Unix auch so genannte Benutzergruppen erstellt werden. In diesen Gruppen können Sie mehrere Benutzer zusammenfassen und eine Datei für jede Gruppe individuell freigeben oder verbieten. Somit sparen Sie sich die Arbeit, für jeden einzelnen Benutzer eine Datei mit den Zugriffsrechten zu versehen. Das ist in großen Netzwerken mit vielen Benutzern recht hilfreich und erleichtert die Verwaltung erheblich.

Die auf NT-Technologie basierenden Windows-Systeme (NT / 2000 / XP) bieten ein ausgereifteres Benutzersystem an, welches viele der Möglichkeiten bietet, welche unter Unix bereits vor 30 Jahren üblich waren.



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