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3 Der XNTP Deamon

Der xntpd ist ein Dienst, der die Zeit eines Linuxservers synchronisiert. Dazu verwendet er, wie ntpdate, Zeitserver im Internet. Der Dienst arbeitet jedoch noch aufwendiger. Zunächst sendet er alle paar Minuten (je nach Genauigkeit) Zeitpackete, um die Zeit ständig aktuell zu halten. Dies ist notwendig, da die Kerneluhr (und auch die Hardware- Echtzeituhr) nicht so genau sind und beispielsweise temperaturbedingter Schwankungen unterliegen.

Daher muß die Kerneluhr auch nachgestellt werden. Der xntpd macht das Nachstellen allerdings sehr geschickt: er setzt nicht einfach ruckartig die Zeit eine Sekunde zurück (oder natürlich vor), sondern er bremst die Kerneluhr ein kleines bißchen ab, bis die Zeiten gleich sind. Im Prinzip regelt der Dienst also die Geschwindigkeit der Kerneluhr (und gleicht so die temperaturabhängiger Schwankungen aus). So hat man - eine Internetverbindung vorrausgesetzt - ständig eine genaue Zeit. Genau heißt hier, auf einen Sekundenbruchteil genau; beispielsweise auf eine Millisekunde genau. Das ist beachtenswert, denn die Antwortzeiten der Server betragen oft mehr als das hundertfache (also eine zehntel Sekunde).

Der Daemon sollte als ntpd oder als xntpd Paket in jeder Distribution zu finden sein.


3.1 Installation

Dieser Text erklärt nicht ausführlich, wie man das ntpd Paket installiert, da es in den großen Distributionen verfügbar ist und hier auf die gleiche Weise wie andere Softwarepakete einfach installiert werden kann. Meistens wird es soagr bereits installiert sein, da man diesen Basisdienst auf fast allen Server einsetzt. Man verwendet den Paketmanager oder das Distributionsspezifische Installationswerkzeug, um das Paket gegebenenfalls zu installieren.

Natürlich ist es auch möglich, den Quellcode downzuladen und selbst zu kompilieren. Diese Prozedur basiert auf GNU autoconf und ist daher sehr ähnlich zu anderen Softwarepaketen, die GNU autoconf verwenden.


3.2 Konfiguration

Eine einfache Konfigurationsdatei ist schnell erstellt. Im westentlichen werden ein paar Server eingetragen und der Zugriff darauf etwas beschränkt.

Datei /etc/ntp.conf
#lokale Uhr
server 127.127.1.0
#stratum 10 bedeutet "schlechte Qualität"
fudge  127.127.1.0 stratum 10

#Nun ein paar Server, die zur Synchronisation verwendet werden
#  können. Bitte nicht unbedingt diese verwenden, sondern andere
#  aus http://www.eecis.udel.edu/~mills/ntp/ auswählen.
#  Stratum 2 Server sind mehr als ausreichend.
server ntps1-0.cs.tu-berlin.de prefer
server clock.isc.org
server ptbtime1.ptb.de
server ptbtime2.ptb.de

#Hat man mehrere NTP Server im LAN, sollte man diese als peer
#  konfigurieren:
#peer ntps2-0.bedi.net  # local time peer server


#Die ermittelte Laufzeitabweichung des Systems hier speichern:
driftfile /etc/ntp.drift

#Andere Server oder Clients dürfen die Zeit nur abfragen
restrict default notrust nomodify
#localhost darf alles (siehe "ntpdc")
restrict 127.0.0.1
#Normalerweise vertrauen wir dem Partnerserver im LAN auch:
#restrict ntps2-0.bedi.net
         

3.3 Starten

Vor dem Starten sollte man ntpdate ausführen, um eine korrekte Ausgangszeit zu haben. Weicht die Zeit beim Start von ntpd stark ab, so wird die Zeit vom ntpd nicht automatisch korrigiert, da es sich möglicherweise um Fehler handelt, die manuell korrgiert werden sollten.

Man könnte den xntpd einfach von der Kommandozeile starten, aber dass kann die verwendete Distribution auch automatisch beim Start über die sogenannten rc-Skripte. Bei SuSE-Distributionen kann man beispielsweise über das Konfigurationswerkzeug den Dienst aktivieren lassen und auch per Hand starten:

root@linux ~# /etc/rc.d/xntpd start

Bei anderen Distributionen kann der Name geringfügig abweichen und beispielsweise ntpd oder ntp lauten.


3.4 Hierachien aufbauen

Hat man viele Server im LAN, so muss man natürlich nicht mit jedem Server die Zeit aus dem Internet heraus synchronisieren. Man kann auch Stratum 2 Server verwenden, um zwei (oder mehrere) interne Stratum 3 Server zu betreiben. Diese sollten untereinander als peer konfiguriert sein, um bei Internetausfall höhere Genauigkeit zu bieten.

Die anderen lokalen Server können die Uhrzeit dann von den eigenen Stratum 3 Servern beziehen. Dieses Verfahren ermöglicht immernoch Zeiten auf hunderstel Sekunde genau, was meistens ausreichend sein sollte. Man kann die lokalen Server auch alle untereinander als peer konfigurieren, beziehungsweise die mit ausreichend genauen Uhren (manche PCs haben sehr ungenaue Systemuhren). Dies ist jedoch ein grosser Aufwand, der nicht unbedingt durch Nutzen überwogen wird.



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