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4 Log-Nachrichten und Commit-E-Mails

Commit-E-Mails sind beim Commit abgeschickte Benachrichtigungen, welche die Log-Nachrichten und die vom Commit betroffenen Dateien auflisten. Sie gehen normalerweise an alle Teilnehmer des Projekts, manchmal auch an sonstige Interessierte. Da die Details, wie Commit-E-Mails eingerichtet werden, schon von Kapitel 4 abgedeckt worden sind, werde ich sie hier nicht wiederholen. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Commit-E-Mails manchmal unerwartete Seiteneffekte auf Projekte haben können, Effekte, die Sie in Betracht ziehen sollten, wenn Sie Commit-E-Mails für Ihr Projekt einsetzen wollen.

Erstens: Rechnen Sie damit, dass die Nachrichten meistens ignoriert werden. Ob sie gelesen werden oder nicht, hängt zumindest zum Teil davon ab, wie häufig Commits in Ihrem Projekt vorkommen. Tendieren die Entwickler eher dazu, täglich eine große Änderung per Commit zu veröffentlichen, oder eher dazu, es über viele kleine Änderungen, verteilt über den Tag, zu tun? Je näher Ihr Projekt dem zweiten Fall ist und je stärker die vielen kleinen Commits den ganzen Tag lang auf die Entwickler herunter prasseln, um so weniger werden sie sich um jede einzelne Nachricht kümmern.

Daraus folgt nicht, dass die Benachrichtigungen keinen Zweck erfüllen, man sollte nur nicht davon ausgehen, dass jeder jede Nachricht liest. Es ist immer noch ein bequemer Weg, die Sachen im Auge zu behalten - wer was macht -, ohne das Aufdringliche, das Watches an sich haben. Gehen die E-Mails an eine öffentlich zugängliche Mailingliste, so hat man einen wundervollen Mechanismus, um interessierten Benutzern (Entwickler in spe!) die Möglichkeit zu bieten, täglich mitzubekommen, was am Quelltext geschieht.

Vielleicht sollten Sie in Betracht ziehen, einen Entwickler abzustellen, die Log-Nachrichten zu verfolgen und den Überblick über das gesamte Projekt zu behalten (ein guter Projektleiter tut das natürlich sowieso). Wenn die Zuständigkeiten klar verteilt sind, beispielsweise wenn bestimmte Entwickler bestimmten Unterverzeichnissen des Projekts zugeordnet sind, könnten Sie ganz besonders schicke Vorkehrungen in CVSROOT/loginfo treffen, sodass jede verantwortliche Partei gesondert markierte Nachrichten darüber erhält, was in ihrem Zuständigkeitsbereich passiert. Das hilft dabei sicherzustellen, dass die Entwickler wenigstens die E-Mails lesen, die zu ihren Unterverzeichnissen gehören.

Ein interessanterer Effekt tritt ein, wenn Commit-E-Mails nicht ignoriert werden. Die Leute fangen an, sie als Echtzeit-Kommunikationsmittel zu verwenden. Dadurch kann sich so etwas ergeben:

Finished feedback form; fixed the fonts and background colors on the home page. Whew! Anyone want to go to Mon Lung for lunch?

Es ist nichts Falsches daran, die Logs auf diese Art zu »mißbrauchen«. Dadurch wird es interessant, sie später noch einmal zu lesen. Dennoch sollte sich jeder darüber im Klaren sein, dass sich Log-Nachrichten, wie etwa die folgende, nicht nur per E-Mail verbreiten, sondern sich auch in der Projekthistorie verewigen. Über die Spezifikationen eines Kunden zu hadern, mag ein verbreiteter Zeitvertreib unter Programmierern sein; man kann sich leicht vorstellen, dass jemand beim Commit eine Log-Nachricht wie folgende schreibt, wissend, dass die anderen Programmierer sie als E-Mail erhalten:

Truncate four-digit years to two-digits in input. What the customer wants, the customer gets, no matter how silly & wrong. Sigh.

Kein Zweifel - eine amüsante E-Mail, aber was passiert, wenn der Kunde sich eines Tages die Log-Nachrichten ansieht? (Ich wette, dass ähnliche Befürchtungen schon bei mehr als einer Site dazu geführt haben, CVS/loginfo so einzurichten, dass Mechanismen vorgeschaltet werden, die Anstößiges aus den Log-Nachrichten heraus halten!)

Im Großen und Ganzen scheinen Commit-E-Mails die Leute davon abzuhalten, zu kurze oder unverständliche Log-Nachrichten zu schreiben, was möglicherweise »eine gute Sache« ist. Jedoch müssen sie hin und wieder daran erinnert werden, dass jeder, der irgendwann einmal die Logs liest, ein potenzieller Adressat ist, nicht nur die Empfänger der E-Mails.

Wie man Log-Nachrichten nach dem Commit ändert

Für den Fall, dass jemand eine Log-Nachricht nach dem Commit bereut, ermöglicht es CVS, die Logs nachträglich zu ändern. Man erledigt dies mit der -m-Option, die man zusammen mit dem admin-Kommando verwendet (auf das Kommando wird später in diesem Kapitel noch detaillierter eingegangen). Das Kommando erlaubt es, genau eine Log-Nachricht (pro Revision, pro Datei) auf einmal zu ändern. Das funktioniert so:

user@linux ~$ floss$ cvs admin -m 1.7:"Truncate four-digit years to two in input." date.c
RCS file: /usr/local/newrepos/someproj/date.c,v
done

Die ursprüngliche Log-Nachricht, die mit dem Commit von Revision 1.7 abgelegt wurde, ist durch eine völlig unschuldige - wenn auch weniger scharfzüngige - ersetzt worden. (Nicht den Doppelpunkt vergessen, der die Revisionsnummer von der Log-Nachricht trennt.)

Wenn die »falsche« Log-Nachricht beim Commit von mehreren Dateien verwendet wurde, muss man cvs admin für jede Datei getrennt aufrufen. Es handelt sich also um eines der wenigen Kommandos, bei denen CVS erwartet, dass nur ein einziger Dateiname als Argument übergeben wird:

user@linux ~$ cvs admin -m 1.2:"very boring log message" hello.c README.txt foo.gif
cvs admin: while processing more than one file:
cvs [admin aborted]: attempt to specify a numeric revision

Lassen Sie sich nicht davon verwirren, dass Sie dieselbe Fehlermeldung erhalten, als wenn Sie gar keine Dateinamen mit angegeben hätten. Das liegt daran, dass CVS in dem Fall alle Dateien, die im aktuellen Verzeichnis und darunter liegen, als implizite Argumente betrachtet:

user@linux ~$ cvs admin -m 1.2:"very boring log message"
cvs admin: while processing more than one file:
cvs [admin aborted]: attempt to specify a numeric revision

(Es ist bei CVS-Fehlermeldungen leider häufig der Fall, dass man die Dinge aus der Sicht von CVS betrachten muss, damit sie einen Sinn ergeben!)

Der admin -m-Aufruf ändert die Projekthistorie, seien Sie also vorsichtig. Es wird keine Aufzeichnung geben, die besagt, dass die Log-Nachricht jemals verändert wurde - es wird einfach so aussehen, als ob die Revision schon beim ursprünglichen Commit die neue Log-Nachricht erhalten hätte. Die alte Meldung wird nirgends ihre Spuren hinterlassen (außer Sie heben die Original-E-Mail auf).

Obwohl sein Name scheinbar besagt, dass nur der designierte CVS-Administrator es benutzen kann, kann normalerweise jeder cvs admin aufrufen, solange er Schreibzugriff auf das fragliche Projekt hat. Existiert jedoch eine Unix-Benutzergruppe namens cvsadmin, dann ist die Nutzung dieses Kommandos auf die Mitglieder der Gruppe beschränkt. (Mit der Ausnahme, dass immer noch jeder cvs admin -k benutzen kann.) Dennoch benutzt man es besser mit großer Vorsicht, denn die Möglichkeit, die Geschichte des Projekts umzuschreiben, ist verglichen mit anderen, potenziell zerstörerischen Fähigkeiten noch harmlos. In Kapitel 9 gibt es noch mehr zu admin, zusammen mit Wegen, dessen Benutzung einzuschränken.


5 Wie man eine Arbeitskopie los wird

Bei normaler CVS-Nutzung wird man den Verzeichnisbaum der Arbeitskopie so wie jeden anderen Verzeichnisbaum los:

user@linux ~$ rm -rf myproj

Wenn Sie sich Ihrer Arbeitskopie auf diese Art entledigen, werden die übrigen Entwickler allerdings nicht mitbekommen, dass Sie deren Nutzung eingestellt haben. CVS stellt ein Kommando zur Verfügung, mit dem man die Arbeitskopie explizit terminieren kann. Sehen Sie release8 als das Gegenstück zu checkout an - Sie teilen dem Archiv mit, dass Sie mit Ihrer Arbeitskopie abgeschlossen haben. Wie checkout wird release vom übergeordneten Verzeichnis im Verzeichnisbaum aufgerufen:

user@linux ~$ pwd
/home/qsmith/myproj
user@linux ~$ cd ..
user@linux ~$ ls
myproj
cvs release myproj
You have [0] altered files in this repository.
Are you sure you want to release directory 'myproj': y

Falls Sie gegenüber dem Archiv noch nicht per Commit gespeicherte Änderungen in Ihrer Arbeitskopie haben, wird release fehlschlagen, soll heißen, dass lediglich die modifizierten Dateien aufgelistet werden und sonst nichts geschieht. Vorausgesetzt der Verzeichnisbaum ist »sauber« (komplett auf dem aktuellen Stand), vermerkt release im Archiv, dass die Arbeitskopie freigegeben wurde.

Sie können release auch anweisen, den Verzeichnisbaum für Sie zu löschen, indem Sie -d mit angeben:

user@linux ~$ ls
myproj
user@linux ~$ cvs release -d myproj
You have [0] altered files in this repository.
Are you sure you want to release (and delete) directory 'myproj: y
user@linux ~$ ls

Zum Zeitpunkt von CVS Version 1.10.6 ist das release-Kommando nicht in der Lage, die Position des Archivs anhand der Arbeitskopie zu erkennen (da release außerhalb der Arbeitskopie aufgerufen wird). Man muss daher entweder die globale Option -d <ARCHIV> mit angeben oder sicherstellen, dass die Umgebungsvariable CVSROOT richtig gesetzt worden ist. (Dieser Fehler mag in zukünftigen CVS-Versionen behoben worden sein.)

Im Cederqvist wird behauptet, dass, wenn Sie release verwenden, statt den Arbeitsverzeichnisbaum einfach zu löschen, diejenigen benachrichtigt werden, die auf die freigegebenen Dateien ein Watch gesetzt haben, genau so, als hätten Sie unedit aufgerufen. Als ich das experimentell überprüfen wollte, habe ich festgestellt, dass das nicht stimmt.



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