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5 Ein neues Projekt beginnen

Wenn Sie den Umgang mit CVS erlernen wollen, um mit einem Projekt zu arbeiten, das bereits mit CVS verwaltet wird (das heißt, es befindet sich bereits irgendwo in einem Archiv), dann sollten Sie vielleicht mit dem Abschnitt  Eine Arbeitskopie auschecken fortfahren. Möchten Sie allerdings existierende Quelltexte unter die Kontrolle von CVS stellen, ist dies der für Sie passende Abschnitt. Beachten Sie, dass immer noch davon ausgegangen wird, dass Sie Zugriff auf ein bereits bestehendes Archiv haben; wenn Sie zuerst eines anlegen müssen, lesen Sie bitte  Kapitel 4.

Ein bestehendes Projekt in CVS zu übernehmen, wird importieren genannt. Das CVS-Kommando dazu lautet, wie Sie sich sicherlich bereits gedacht haben,

user@linux ~$ cvs import

abgesehen davon, dass es noch ein paar zusätzliche Optionen benötigt (und an der richtigen Stelle im Dateisystem ausgeführt werden muss), um korrekt ausgeführt zu werden. Zuerst wechseln Sie in das Hauptverzeichnis Ihres Projektes:

user@linux ~$ cd myproj
user@linux ~$ ls
README.txt a-subdir/ b-subdir/ hello.c
user@linux ~$

Dieses Projekt besteht aus zwei Dateien - README.txt und hello.c - im Hauptverzeichnis, zuzüglich zwei Unterverzeichnissen - a-unterverzeichnis und b-unterverzeichnis - und noch einiger weiterer Dateien in den Unterverzeichnissen, die hier nicht angezeigt werden. Wenn ein Projekt importiert wird, importiert CVS alles aus der Verzeichnisstruktur, ausgehend von dem aktuellen Verzeichnis den ganzen Baum hinab. Daher sollten Sie sich vergewissern, dass sich nur solche Dateien in den Verzeichnissen befinden, die auch permanenter Bestandteil des Projektes werden sollen. Jegliche alten Sicherheitskopien, Schmierdateien und so weiter sollten entfernt werden.

Die allgemeine Syntax des import-Kommandos ist

user@linux ~$ cvs import -m "log nachr." projname hersteller-marke versions-marke

Die Option -m (m = message, Nachricht) spezifiziert eine kurze Nachricht, die den Import beschreibt. Dies wird dann die erste Log-Nachricht des gesamten Projektes; jeder nachfolgende Commit wird ebenfalls eine eigene Log-Nachricht bekommen. Diese Nachrichten sind verpflichtend; wird die Option -m nicht angegeben, startet CVS automatisch einen Texteditor (unter Verwendung der Umgebungsvariablen $EDITOR), damit Sie eine Log-Nachricht eingeben können. Nachdem die Log-Nachricht abgespeichert wurde, wird der Import weiter durchgeführt.

Das nächste Argument der Kommandozeile ist der Projektname (hier wird »myproject« verwendet). Dies ist der Name, anhand dessen ein Checkout des Projektes aus dem Projektarchiv durchgeführt wird. (Was tatsächlich passiert ist, dass ein Verzeichnis mit diesem Namen im Archiv angelegt wird, doch mehr dazu in  Kapitel 4). Der nun auszuwählende Name muss nicht der gleiche wie der des aktuellen Verzeichnisses sein, obwohl er es in den meisten Fällen wohl sein wird.

Die Argumente hersteller-marke und versions-marke dienen nur als Verwaltungsinformationen für CVS. Sie brauchen sich zu diesem Zeitpunkt nicht darum zu kümmern; es spielt praktisch keine Rolle, was Sie dafür wählen. In Kapitel 6 werden die seltenen Umstände beschrieben, unter denen diese relevant sind. Hier werden wir einen Benutzernamen und start für diese Argumente benutzen.

Wir können nun den Import starten:

user@linux ~$ cvs import -m "initial import into CVS" myproj jrandom start
N myproj/hello.c
N myproj/README.txt
cvs import: Importing /usr/local/cvs/myproj/a-subdir
N myproj/a-subdir/whatever.c
cvs import: Importing /usr/local/cvs/myproj/a-subdir/subsubdir
N myproj/a-subdir/subsubdir/fish.c
cvs import: Importing /usr/local/cvs/myproj/b-subdir
N myproj/b-subdir/random.c

No conflicts created by this import
user@linux ~$

Herzlichen Glückwunsch! Wenn Sie dieses oder ein ähnliches Kommando ausgeführt haben, haben Sie letztendlich etwas ausgeführt, was das Archiv verändert.

Wenn Sie sich die Ausgabe des Import-Kommandos noch einmal durchlesen, werden Sie feststellen, dass CVS den Dateinamen einen einzelnen Buchstaben vorangestellt hat - in diesem Fall N für neue Datei. Die Verwendung eines einzelnen Buchstabens an der linken Position, um den Status einer Datei anzuzeigen, ist bei den Ausgaben eines Kommandos von CVS üblich. Wir werden dies auch später bei Checkout und Update sehen.

Sie könnten nun denken, dass Sie, nachdem Sie gerade das Projekt importiert haben, in den aktuellen Verzeichnissen sofort arbeiten können. Dies ist jedoch nicht der Fall. Das aktuelle Verzeichnis ist immer noch keine CVS-Arbeitskopie. Es war die Quelle für das import-Kommando, richtig, aber es wurde nicht alleine durch die Tatsache, in CVS importiert worden zu sein, auf magische Art und Weise in eine Arbeitskopie verwandelt. Um eine Arbeitskopie zu erhalten, müssen Sie eine aus dem Archiv auschecken.

Zuerst sollten Sie vielleicht jedoch den aktuellen Projektstamm sichern. Der Grund dafür ist, dass, wenn die Quelltexte einmal im CVS-Archiv liegen, Sie sich nicht selbst dadurch verwirren sollten, indem Sie Kopien von Dateien modifizieren, die nicht der Versionskontrolle unterliegen (und diese Veränderungen daher nicht Teil der Projekthistorie werden). Sie sollten von nun an alle Ihre Arbeiten an einer Arbeitskopie vornehmen. Sie sollten jedoch den gerade importierten Verzeichnisbaum noch nicht entfernen, da Sie noch nicht überprüft haben, ob das Archiv alle Dateien enthält. Natürlich können Sie sich dessen zu 99,999 Prozent sicher sein, weil der import-Befehl ohne Fehler ablief, doch warum etwas riskieren? Paranoia zahlt sich aus, wie jeder Programmierer weiß. Daher führen Sie etwa wie folgt aus:

user@linux ~$ ls
README.txt a-subdir/ b-subdir/ hello.c
user@linux ~$ cd ..
user@linux ~$ ls
myproj/
user@linux ~$ mv myproj was_myproj
user@linux ~$ ls
was_myproj/
user@linux ~$

So. Die Originaldateien sind noch vorhanden, sind aber durch den Namen klar als eine veraltete Version erkennbar, sodass sie nicht im Weg sind, wenn eine richtige Arbeitskopie geholt wird. Nun kann ein Checkout durchgeführt werden.



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